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Donnerstag, Juli 18, 2024

Auf den Spuren letzter Reisen. Vielfältiges Herbst-Programm zur Ausstellung un_endlich im Humboldt Forum beginnt im September | bis 26.11.2023

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Seit April 2023 zeigt das Humboldt Forum die Ausstellung “un_endlich. Leben mit dem Tod”, in deren Rahmen verschiedene Veranstaltungs- und Informationsformate angeboten werden. Vom Leben der Schnecken an der Seite der Toten bis zur gelungenen Abschlussparty als Alternative zur Beerdigung: Die Sprechstunden haben sich als erfolgreiches Format etabliert und werden fortgesetzt. Und: Eine neue Podcast-Tour führt anhand von ausgewählten Objekten – Reliquien, Opferblutschale, Koralleskelette – durch die Dauerausstellungen des Humboldt Forums und erzählt davon, wie Menschen mit dem Tod umgegangen sind und wie sie das immer noch tun.

Abb. oben: Katharina und Pram von Oheimb, Das Leben am Friedhof , © Marcus Rietzsch

SPRECHSTUNDE: SPRECHEN ÜBER DEN TOD
Von der Palliativmediziner*in über die Biolog*in bis zur Veranstalter*in von Trauerfesten: In der Veranstaltungsreihe Sprechstunde kommen Menschen mit den unterschiedlichsten Berufen zu Wort, die einen täglichen Umgang mit dem Tod – diesem schwierigen, oft tabuisierten Thema pflegen. Die Ausstellungsbesucher*innen haben hier die einmalige Gelegenheit, Fragen an Menschen zu stellen, die professionell mit dem Tod zu tun haben. Jeweils sonntags können sie in der Sprechstunde im Rahmen der Sonderausstellung un_endlich mit auf lauter letzte Reisen gehen. – Eintritt jeweils frei, Treffpunkt in der Sonderausstellung.

Katharina und Pram von Oheimb, Das Leben am Friedhof
3. September 2023, 14 Uhr, Sonderausstellung un_endlich

Ein Friedhof ist nicht nur ein Ort der Toten. Er ist auch ein Ort der Tiere, die hier – angesichts der zunehmend zubetonierten und versiegelten Welt der Stadt – ihre Refugien finden. Denn das Friedhofsleben verläuft ungestörter als im Park, der lebende Mensch tritt hier nur in begrenztem Mass in Erscheinung, auch der Hund hält sich zurück. Unaufgeräumte Ecken, totes Holz und saftige Wiesen, Mauern und Grabsteine, die als Felsersatz dienen, laden ein. So bedient das Biotop Friedhof die verschiedenen Nahrungsketten und zeigt eine überraschend große Artenvielfalt. Und mittendrin kriecht und schleimt die Schnecke. Sie ist es, die vor allem Thema der Forschungen der beiden Biologen Katharina und Pram von Oheimb ist, die am Berliner Museum für Naturkunde als Experten für Weichtiere arbeiten. Bis zu 20 verschiedene Schneckenarten kann man auf einem Berliner Friedhof finden. Die unterirdische Blindschnecke dringt zum Beispiel in verfallende Särge ein und plündert die Knochen als Kalziumquelle. In ihrer Sprechstunde berichten die beiden Forscher*innen über das Zusammenleben der verschiedenen Spezies, der Symbiose von Toten und Tieren und entwerfen damit ein realitätsnahes Bild vom menschlichen Verfall.

PODCAST DEATH MATTERS 
Anlässlich der Sonderausstellung un_endlich. Leben mit dem Tod besuchen die Journalistin und Sterbebegleiterin Lydia Heller und der Archäologe Pablo Nina ausgewählte Räume und Exponate in den Dauerausstellungen des Humboldt Forums in Berlin. Und zwar genau solche, die etwas darüber erzählen, wie Menschen zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Regionen dieser Welt, mit dem Tod umgegangen sind. Im Gespräch mit Wissenschaftler*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen gehen sie dabei Fragen nach wie: Was bedeutete das Opferritual bei den Aztek*innen? Wie beeinflusst das Wissen um die eigene Sterblichkeit unser Leben? Oder warum fällt es uns schwer, das Artensterben persönlich zu nehmen?

DEEDS NEWS - Auf den Spuren letzter Reisen Museum für Naturkunde (MfN) Berlin Foto Matthias Heyde
© Museum für Naturkunde (MfN) Berlin Foto: Matthias Heyde

Folge 1: Ahnen, Göttinnen und Helden – Leben mit dem Tod in verschiedenen Kulturen
Henriette Lavaulx-Vrécourt (Ethnologin), Maria Ellendorff (Kulturanthropologin), David Blankenstein (Kunsthistoriker) und Lydia Heller (Journalistin), besprechen das Thema am Beispiel von Reliquien-Behältern, die auf der Ausstellungsfläche Ahnen, Göttinnen und Helden ausgestellt sind: der chinesischen Figur Ushnishavijaya, des Reliquienbehälters Byeri aus Kamerun, des tibetischen Votiv-Stupas und der Mahamajuri aus China.

Folge 2: Quauhxicalli – eine aztekische Opferblutschale
Wie haben die Aztek*innen den Tod ins Leben eingebettet? Und wie haben sie vor etwa 500/600 Jahren über Tod und Leben gedacht? Darüber sprechen Claudine Hartau, (Altamerikanistin), Ute Schüren (Altamerikanistin) und Lydia Heller (Journalistin) am Beispiel eines besonderen Ausstellungsstücks, der Quauhxicalli (Opferblut- oder Adlerschale) aus der Mesoamerika-Sammlung des Ethnologischen Museum Berlin.

Folge 3: Koralle – oder wie gehen wir mit dem Artensterben um?
Obwohl das Artensterben uns alle betrifft, fällt es uns schwer, uns mit dieser Art von Sterben und Tod näher zu befassen. Warum ist das so? Und hat es Konsequenzen dafür, wie wir dem Artensterben begegnen? In der Ausstellung Nach der Natur der Humboldt Universität zu Berlin treffen sich Elisabetta Corrà (Umweltjournalistin und Aktivistin), Carsten Lüter (Evolutionsbiologe und Kustos am Museum für Naturkunde Berlin) und Lydia Heller (Journalistin), um diese Fragen nachzugehen.
Link zur Podcast-Reihe: humboldtforum.org/death-matters

DEEDS NEWS - Auf den Spuren letzter Reisen - Katharina Kepplinger
 © Katharina Kepplinger

MEDIENGUIDE: DIE NEUE EINSTÜNDIGE PODCAST-TOUR 

Die Podcasts werden in gekürzter Form auch als Medienguide für eine einstündige Tour durch das Humboldt Forum angeboten. Die Tour führt Besucher*innen zu Reliquien-Behältern, einer Opferblutschale und Korallenskeletten in den Dauerausstellungen. Sie erzählen davon, wie Menschen mit dem Tod umgegangen sind und wie sie das immer noch tun. Lydia Heller, Journalistin und Sterbebegleiterin sowie ihre Gäste begleiten die Teilnehmer*innen durch diese Mini-Podcast-Serie. Link zum Medienguide: guide.humboldtforum.org/de/explore/tours/31

ZUM ABSCHLUSS DER AUSSTELLUNG 
MEXIKANISCHES TOTENFEST FIESTA DE DÍA DE MUERTOS 

1. bis 5. November 2023

Das Mexikanische Totenfest ist ein buntes Volksfest, auf dem sich die Lebenden und die Toten nach alt-mexikanischem Glauben wiedersehen, um miteinander zu feiern – mit Musik, Tanz und leckerem Essen. Anlässlich der Ausstellung un_endlich. Leben mit dem Tod lädt der Verein Calaca e.V. zur Fiesta de Día des Muertos ins Humboldt Forum.

WO?

Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
Schloßplatz
10178 Berlin

WANN?

Ausstellung: bis 26.11.2023
Mi – Mo 10:30-18:30 Uhr

KOSTET?

12 / 6 Euro

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