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Montag, März 27, 2023

Ceremony (Burial of an Undead World) im Haus der Kulturen der Welt | 23.10.-30.12.2022

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Wir leben ­– und überleben – in den Ruinen des modernen/kolonialen Weltsystems: in dessen Institutionen, Strukturen der Ungleichheit, Grenzregimen und Subjektformen. Diese untote Welt und ihre Weigerung zu sterben entladen sich mit zunehmender Gewalt. Es braucht ein Begräbnis, um andere Zukünfte möglich zu machen.

Abb. oben: Lemohang Jeremiah Mosese, This Is Not a Burial, It’s a Resurrection, 2020, film still, courtesy the artist and Memento Film International

Die Ausstellung Ceremony (Burial of an Undead World) spricht über Gemeinsamkeiten und Kontinuitäten in Kosmologien und Ursprungsmythen über Zeiten und Räume hinweg. Vor diesem Hintergrund erst wird es möglich, die vorherrschende (Selbst-)Erzählung von der Moderne als geschichtlicher Zäsur neu zu denken. Ceremony nimmt dabei Bezug auf die Arbeit der jamaikanischen Theoretikerin Sylvia Wynter, für die die „Kehrseitenkosten“ der Moderne eng mit den „Mutationen“ von der christlichen Kosmologie hin zu einem säkularen Diskurs der Moderne verbunden sind – von Enteignung und Sklaverei bis hin zu Extraktivismus und Klimawandel.

Ceremony bringt Werke verschiedener Genres und Epochen sowie historische Dokumente mit vielen Gesprächspartner*innen zusammen. Es beinhaltet ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm und eine Publikation.

Kurator*innen: Anselm Franke, Elisa Giuliano, Denise Ryner, Claire Tancons, Zairong Xiang

Ausstellung mit Beiträgen von Leo Asemota, Shuvinai Ashoona, Richard Bell, Raymond Boisjoly, Gaëlle Choisne, Pauline Curnier Jardin, Alice Creischer und Andreas Siekmann, Mario Cresci, Abraham Cruzvillegas, Mariana Castillo Deball, Stan Douglas, Albrecht Dürer, Léon Ferrari, Jermay Michael Gabriel, Luigi di Gianni, Yervant Gianikian und Angela Ricci Lucchi, Leah Gordon, Nicolás Guillén, Ho Rui An, James T. Hong, Dapper Bruce Lafitte, Carlo Levi, Jane Jin Kaisen, William Kentridge, Will Kwan, Mary Reid Kelley und Patrick Kelley, Titina Maselli, Cecilia Mangini, Guadalupe Maravilla, Peter Minshall, Lemohang Jeremiah Mosese, Ernest Nash, Le Nemesiache, Rachel O’Reilly, István Orosz, Huang Yong Ping, Rosa von Praunheim, Tabita Rezaire, Elza Soares, Karlheinz Stockhausen, Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, Kidlat Tahimik, Rosemarie Trockel, Joyce Wieland, Tania Willard, David Wojnarowicz, Xiyadie, Lawrence Paul Yuxweluptun und vielen mehr.

Wie können die Moderne und die Entwicklungen des globalen Kapitalismus mit denselben Begriffen beschrieben werden wie „andere Kosmologien“, die üblicherweise als prämoderne Glaubenssysteme verstanden werden? Die Publikation enthält zwei Texte von Sylvia Wynter, „The Ceremony Must Be Found“ (1984) und „The Ceremony Found“ (2015), die als Grundlage für eine Diskussion der Kosmologie jenseits der modernen Ordnung des Wissens dienen. Mehrere Autor*innen steuern Kommentare zu diesen beiden Texten bei. Darin ergründen sie, welche Rolle Herkunftsgeschichten bei der Prägung der Kategorien unseres Denkens sowie unserer Sprache und Wahrnehmung spielen. Die Herausgeber*innen sind insbesondere daran interessiert, zu zeigen, wie Wynters Paradigma einer menschlichen „Ökumene“ einen Gegenuniversalismus beansprucht, der die Orthodoxie der modernen und kapitalistischen Alternativlosigkeit aus den Angeln heben kann. Und dafür, so argumentiert Wynter, sei eine Zeremonie erforderlich.

Publikation mit Beiträgen von Maria José de Abreu, Mario Bellátin, James Burton, Mariana Castillo Deball, Abraham Cruzvillegas, Giulia Damiani, Esther Figueroa, Anselm Franke, Cécile Fromont, Yervant Gianikian, Elisa Giuliano, Ayesha Hameed, Whess Harman, Aaron Kamugisha, Catherine Keller, Nadia Yala Kisukidi, Joshua Chambers Letson, Canisia Lubrin, Leora Maltz-Leca, Felix Mayer, Patricia Reed, Rachel O’Reilly, Denise Ryner, Ho Rui An, Jon Solomon, Kerstin Stakemeier, Ana Teixeira Pinto, Claire Tancons, Elena Vogman, Michael Washington, Sylvia Wynter, Zairong Xiang und Dorothy Zinn. 

WANN?

Vernissage: Samstag, 22. Oktober 2022

Ausstellungsdaten: Sonntag, 23 Oktober – Freitag, 30 Dezember 2022

Öffnungszeiten: Täglich, außer Di, 12 – 20 Uhr

WO?

Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin-Tiergarten

KOSTET?

Eintritt frei

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