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Samstag, März 2, 2024

Kurt-Kurt zeigt Sharon Paz und Rafael Ibarra: Reisen in der Stadt | 30.03.-30.04.2023

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Kurt-Kurt zeigt seit 30. März 2023 die Ausstellung Reisen in der Stadt der Künstler*innen Sharon Paz und Rafael Ibarra. Inszeniert und bespielt mit unterschiedlichen Medien und Strategien wird in der aktuellen Projektreihe Reisen in der Stadt die Kunst zum Transportmittel und die Ausstellung im Kurt-Kurt zur Reise. Künstlerinnen und Künstler sind die idealen Experten für Reisen an Orte, durch Gedanken und Prozesse bis hin zu subjektiven und persönlichen Abgründen. Die Arbeit als Reisende in einer fremden Umgebung und das Inszenieren von Bildwelten und Raumbildern gehört zu ihrer Profession. Aus unterschiedlichen „Hintergründen“ kommend, nicht in Berlin geboren, aber in Berlin ansässig und vernetzt, entführen sie uns, öffnen uns den Blick in virtuelle Stadt-Landschaften oder führen uns in die „Tiefen“ der eigenen Person.

Abb.oben: Sarón Paz, 2023

Die Künstlerin Sharon Paz (Israel) und der Künstler Rafael Ibarra (Mexiko) arbeiten in unterschiedlichen Medien und loten mit ihren für die Ausstellung neu entwickelten Arbeiten zwei unterschiedliche Pole aus.

Auf der Suche nach der Wahrheit oder dem Erkennen des nur vermeintlich Echten nimmt uns Sharon Paz mit in digital geschaffene Welten. Sie präsentiert in ihrer Installation What do you see, when you look out of the window? im hinteren Raum bei Kurt-Kurt eine bodenfüllende Projektion mit zusätzlichen Elementen an der Wand. Die präzise Inszenierung von Raum, Video und Sprache lässt reale Objekte und projizierte Illusion eins werden. Bei der Konzeption, Komposition und Realisation ihrer künstlerischen „Reiserouten“ kooperiert die Künstlerin mit KI und komponiert künstlich geschaffene Orte mit Abbildern aus der Realität und mischt Augmented Reality mit KI-generierten Bildern. Begleitet werden die dicht „gewobenen“ Bildreisen von gesprochenen und geschriebenen Texten, die uns in ein faszinierendes Zusammenspiel von digitalem und analogem Leben, von echter und virtueller Stadt abtauchen lassen.

Die Reise von Rafael Ibarra findet unter Wasser statt. In seiner Performance A journey inward legt er sich mit einem schweren Stein auf der Brust in einen mit Wasser gefüllten Pool, um alleine zu sich selbst zu reisen. Die Zuschauer*innen werden Zeugen dieser existentiellen Reise, die ohne Bewegung auskommt. Aber gerade dadurch, dass der Stillstand zur Bewegung wird, stellt sich auch die Frage nach dem Sinn oder auch der Sinnlosigkeit des Reisens. Wie die Reise von Rafael Ibarra aussehen wird, ob sie unsichtbar bleibt oder welche Bilder sie bei uns hinterlässt, hängt davon ab, ob die einzelnen Besucher*innen bereit sind, sich selber auf den Weg zu begeben. Die performativen Arbeiten von Rafael Ibarra präsentieren sich uns in einfachen Bildern. Seine künstlerische Strategie und seine sorgfältige Komposition und Dramaturgie von Raum, Installation, Bild, Körper und Geschichte führt dazu, dass sich das am Anfang klare Bild in ein vielschichtiges Geflecht zwischen realer Performance und feinstofflichem Narrativ auflöst, bevor am Schluss fest steht: Das Jetzt/der flüchtige Moment ist alles, was wir haben.

DEEDS NEWS - Courtesy of Kurt Kurt - Spitting Rainbow, Rafael Ibarra, 2023
Spitting Rainbow, Rafael Ibarra, 2023

Reisen in der Stadt bietet unterschiedliche künstlerische Routen an, die das Eigene im Austausch und in der Begegnung mit dem Anderen wahrnehmbar macht und neu koordinieren lässt.

Zum Projekt Reisen in der Stadt: Urbane Mobilität, inspirierendes Flanieren, Oszillieren zwischen Kulturen/Subkulturen, Religionen, sozialen Schichten und Communities, die Suche nach Lebens- und Arbeitsraum, zeitgenössische Odysseen, persönliche und/oder kollektive Reiseberichte, Finden von Heimat, historische Spuren, Reisen im Kopf, existentielle Wege und Irrfahrten, Entdeckungsreisen. Und vor allem denken wir an das immense Potential, das das Reisen in der Stadt hier und jetzt hat. Physisch, gedanklich aber auch spezifisch in der aktuellen durch Corona und Klima sich neu definierenden Situation stellt die Kunst des Reisens am Ort, vor Ort und für den Ort für das künstlerische Schaffen eine neue Inspiration und Herausforderung dar. Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Reisen für die Kunst, der bis vor kurzem fast unbegrenzten Mobilität, sondern auf der Kunst des Reisens in der eigenen Stadt.

Hier setzt die Ausstellungsreihe Reisen in der Stadt an und rezipiert und präsentiert die Stadt mit künstlerischen, multiperspektivischen Blicken von Sharon Paz, Rafael Ibarra, Maya Schweizer und Jan Köchermann.

Reisen in der Stadt hinterfragt neben stadtspezifischen Themen auch die zeitgenössische Figur der Künstlerin als einer Pendlerin zwischen Migration, permanentem Reisen und der Verortung seiner/ihrer Werke in klar definierten räumlichen Situationen. Gerade jetzt nach der Erfahrung eines Lockdowns und dem Zurückgeworfen sein auf die eigene Stadt oder gar das eigene Zimmer stellen sich neue, andere Fragen zur Position und Funktion der Künstler*in als Reisende, als Pendlerin zwischen Entstehungsorten und Präsentationsorten. Gesetzte Werte und Normen der Produktion, Präsentation und Rezeption von Kunst verschieben sich und müssen neu verhandelt werden.

In diesem Kontext wird Reisen in der Stadt den Topos Stadt künstlerisch apostrophieren und gleichzeitig auch in einer großen Bandbreite im Heute mit aktuellen Fragestellungen konfrontieren und reflektieren.

WO?

Kurt-Kurt
Lübecker Str. 13
10559 Berlin

WANN?

Ausstellungsdauer:
Donnerstag, 30. März – Sonntag, 30. April 2023 / Do – Sa 16 – 19 Uhr

Artist Talk:
Donnerstag, 20. April.2023 um 19 Uhr Richard Rabensaat mit Rafael Ibarra und Sharon Paz

Finissage:
Sonntag, 30. April.2023 um 16 Uhr mit Performances Rafael Ibarra und Sharon Paz

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