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Berlin Art Week 2023: Kunstverein am Rosa–Luxemburg–Platz – petrichor von Vikenti Komitzki und soft cruelties von Lena Marie Emrich | 16.09.2023

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Der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz präsentiert am Samstagnachmittag, 16.09.2023, die Eröffnung zweier neuer Ausstellungen: petrichor von Vikenti Komitzki und soft cruelties von Lena Marie Emrich.

Abb. oben: Berlin Art Week 2023, Kunstverein am Rosa–Luxemburg–Platz, Vikenti Komitzki- petrichor

Vikenti Komitzki, petrichor:

Wenn im Sommer leichter Regen auf Pflanzen und von der Sonne erwärmte Straßen trifft, entsteht ein ganz besonderer Geruch: Petrichor. Ein Geruch, der intensiv an schöne Sommererlebnisse erinnert und gleichzeitig die Melancholie mit sich bringt, die mit Erinnerungen immer verbunden ist. Die gleichnamige Installation des in Berlin lebenden bulgarischen Künstlers Vikenti Komitzki im Foyer des L40 folgt dieser Spur und verbindet sie mit der Traurigkeit, die gerade durch Entfremdung und Einsamkeit im modernen, industrialisierten Leben entsteht. Dazu verwendet er einen überarbeiteten Leuchtkasten mit dem Bild einer Weltkugel und dem Zusatz Weltschmerz aus dem abgerissenen Hotel Mondial, Motive aus John Haslams Buch Illustrations of Madness von 1810 und eine riesige Skulptur in Form eines X, die alles relativiert. Auf diese Weise schafft Komotzki genau jene Mehrdeutigkeit, die Vorstellungen von unsichtbaren Prozessen und Kontrollmitteln, die die Realität formen, hervorruft und gleichzeitig auslöscht. Was bleibt, ist das Gefühl einer “tiefen Traurigkeit über die Unzulänglichkeit der Welt” (Jean Paul) – eben jener unübersetzbaren Weltschmerz, den es nur im Deutschen zu geben scheint.

petrichor ist die 30. Installation im Foyer des Kunstvereins.

Lena Marie Emrich, soft cruelties:

Ob Venedig, Sardinien oder Uluru – Orte, an denen Schönheit zum Fluch wird, nehmen rasant zu. Overtourism aber auch überzogene Erwartungshaltung werden zur Norm im Wettreisen um die Welt. Lena Marie Emrichs‘ Ausstellung soft cruelties kreist um die daraus resultierende Konstruktion aus Realität, Fiktion und Spekulation. Speziell beleuchtet Emrich jene Momente, in denen das Streben nach individuellem Vergnügen mit moralischen Grundsätzen in Konflikt gerät. So beschreibt der Titel sinngemäß jenes ungute Gefühl, von dem wir wissen, dass es sich unweigerlich einstellt, wenn wir uns entscheiden, die 1,99 Euro für die CO2-Kompensation bei der Buchung eines Flugs doch nicht zu bezahlen.

DEEDS NEWS - Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz - Lena Marie Emrich - soft cruelties
Berlin Art Week 2023, Kunstverein am Rosa–Luxemburg–Platz, Lena Marie Emrich: soft cruelties

Für diese jüngste Inszenierung hat die Künstlerin Sonnenschirme, sandfarbene Intarsienbilder, Wunschbrunnen und eine Bank aus dem Garten Eden aus alltäglichen Objekten und Materialien entwickelt, die sie aus ihrem Kontext herausgelöst, manipuliert, nachgebaut und/oder überästhesiert hat. Kennzeichnend ist die Verwendung von technischen Werkstoffen in neuen Kontexten. Polierte Oberflächen, Ahorn, Bambus, farbige Einsprengsel – in den neuen Arbeiten trifft eine kühle, dennoch poetische Formensprache auf Materialien aus konträren Anwendungsbereichen. Die Palette reicht vom hochwertigen Festkörpermaterial HIMACS über eine Gruppe leicht trashiger Sonnenschirme aus Kunststoff-Raffia zu großformatigen Fensterfolien. Bei allem Realismus bleiben die einzelnen Arbeiten dabei meist assoziativ und in der Gruppe suggestiv, so dass am Ende die Frage bleibt, ob wir nicht alle terribel tourist sind? Aber erstmal: Willkommen im Paradies von Lena Marie Emrich.

WO?

Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz
Linienstraße 40
10119 Berlin

WANN?

Samstag, 16.09.2023, 13-18h

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