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Sonntag, September 25, 2022

KW Institute kündigen Frühjahrsprogramm 2022 an

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Die KW Institute for Contemporary Art haben ihr Frühjahrsprogramm 2022 bekannt gegeben. Es reflektiert durch die Einführung neuer Modelle der Narration über die Konstruktion von Geschichte und Realität. Peter Friedl, Rabih Mroué und Oraib Toukan bedienen sich theatralischer und filmischer Methoden und schaffen so eine kritische Intimität, die die Mechanismen unseres Sehens und Sprechens hinterfragt. Die Ausstellungen erstrecken sich über den Zeitraum Februar, März, April und enden am Sonntag, 1. Mai 2022. Sie sind somit auch besuchbar im Rahmen des diesjährigen Gallery Weekends, das vom 29. April bis 1. Mai 2022 in Berlin stattfindet.

Abb. oben: Rabih Mroué, Self Portrait as a Fountain, 2006. Courtesy der Künstler

Peter Friedl
Report 1964 – 2022

19. Februar  – 1. Mai 2022
Kurator: Krist Gruijthuijsen
Assistenzkurator: Léon Kruijswijk

ART at Berlin - KW Institute for Contemporary Art - Peter Friedl - Snjokarl 1999 Detail - Courtesy artist
Peter Friedl, Snjókarl, 1999 (Detail). Farbdias. Courtesy der Künstler

Report 1964–2022 ist Peter Friedls (*1960) bisher umfassendste institutionelle Werkschau in Deutschland. Friedl arbeitet mit einer Vielzahl von Genres, Medien und Präsentationsformen, innerhalb der sich seine Arbeiten mit der Konstruktion von Geschichte und den Konzepten unseres politischen und ästhetischen Bewusstseins auseinandersetzen. In seiner künstlerischen Praxis geht es darum, neue Erzählformen zu schaffen, in denen Zeit, permanenter Orts- und Genrewechsel sowie kritische Intimität eine zentrale Rolle spielen. Häufig bedient sich Friedl dabei der Darstellungsweisen und Poetik des Theaters (maßstabsgetreue Modelle, Tableaux vivants, Requisiten, Puppentheater, Neuinszenierungen, etc.), um auf verborgene oder übersehene Mechanismen hinzuweisen, die in der Geschichtsschreibung, in der Sprache und in kulturellen Identitäten zum Tragen kommen. Archivarische Genauigkeit ist die prägende organisatorische Strategie in einigen seiner Langzeitprojekte, in denen neben einer strikten Chronologie weitere Ordnungsprinzipien genutzt werden, um unsere Vorstellungen von Visibilität und Kontext in Frage zu stellen. Auch die Zeichnung, die als lyrische Stimme private wie gesellschaftspolitische Geschichte(n) kommentiert und historisch dokumentiert, spielt eine wichtige Rolle in Friedls Œuvre. Report 1964–2022 ist eine monografische Schau, die Werke aus fünf Jahrzehnten vereint. Ihr Titel ist der gleichnamigen Videoinstallation entliehen, die Friedl für die documenta 14 geschaffen hat, eine Arbeit, die der Durchlässigkeit von Sprache und den Grenzen von Identität nachspürt. Begleitend zur Ausstellung wird eine Publikation mit bereits veröffentlichten Texten der letzten zwanzig Jahre sowie neu in Auftrag gegebenen Essays zum Werk des Künstlers herausgegeben.


Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2020:
Rabih Mroué
Under the Carpet

19. Februar  – 1. Mai 2022
Kurator: Nadim Samman
Assistenzkuratorin: Sofie Krogh Christensen

DEEDS NEWS - KW Institute - Rabih Mroue - Self Portrait as a Fountain - 2006
Rabih Mroué, Self Portrait as a Fountain, 2006. Courtesy der Künstler

Rabih Mroué (*1967, LB) hat im Jahr 2020 den Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung erhalten. Mroués international ausgezeichnetes Werk umfasst Arbeiten aus den Bereichen Theater, bildende Kunst und Literatur. In seiner künstlerischen Praxis, die an der Schnittstelle zwischen privater und politischer Geschichte, Medienkritik und Konzepten von Autor:innenschaft arbeitet, befragt er unsere Sicht- und Sprechweisen. Under the Carpet zeigt acht neue Auftragsarbeiten in einer Konstellation mit älteren Arbeiten aus den vergangenen zwanzig Jahren.

Der Preis für künstlerische Forschung ist aus dem Kunstpreis der Schering Stiftung hervorgegangen, der von 2005 bis 2018 alle zwei Jahre an internationale Künstler:innen vergeben wurde. 2019 wurde der Preis in Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, Berlin neu konzipiert. Im Jahr 2020 wurde der Preis bereits zum sechsten Mal in Kooperation mit den KW Institute for Contemporary Art verliehen.


Oraib Toukan
What Then

19. Februar  – 1. Mai 2022
Co-Kuratoren: Krist Gruijthuijsen und Léon Kruijswijk

DEEDS NEWS - KW Institute - Oraib-Toukan-Via-Dolorosa
Oraib Toukan, Via Dolorosa, 2021. Bildstudie in einem Einkanal-Video (Farbe, Ton). Courtesy die Künstlerin

Die KW Institute for Contemporary Art laden die amerikanische Künstlerin und Wissenschaftlerin Oraib Toukan (*1977, US) ein, zwei neue Filme zu präsentieren, die im Rahmen ihrer Langzeitstudie über „grausame Bilder“ entstanden sind. In ihrer künstlerischen Forschungspraxis beschäftigt sich Toukan mit unserem Umgang mit mediatisierten Bildern von Gewalt und insbesondere mit dem schmalen Grat zwischen Hin- und Wegsehen.

Toukan arbeitet mit Fotografie, Film, Text und Sprache und nutzt die Postproduktion als Mittel zur Erforschung der Komplexität der Darstellung von Begegnungen mit Gewalt. Indem sie in einer Arbeit Bilder der Grausamkeit sanften und alltäglichen Bildern gegenüberstellt oder gefundene und restaurierte Archivbilder von Gewalt neu zusammenschneidet, wirft sie die Frage auf, was jenseits des im Bild festgehaltenen Leidens liegt.

Der Ausstellungstitel verweist auf einen Vers von Jabra Ibrahim Jabra – What Then, What do we do with our Love (1974) – und würdigt den Zustand der zeitlichen und räumlichen Distanz zu Unheil und Katastrophen. Toukans Arbeiten wenden sich ab von der viel zitierten Dichotomie von Empörung und Gleichgültigkeit und kehren zurück zur Funktion des Betrachtens. So ermöglicht sie eine relationalere Lesart, eine Beobachtung von Gewalt aus einer anderen Situiertheit heraus.

WO?

KW Institute for Contemporary Art
Auguststraße 69
10117 Berlin-Mitte

www.kw-berlin.de

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