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Sonntag, September 25, 2022

NORA TORMANN : TURN – Kartographie einer Bewegung ein choreographischer Audiowalk in der Hasenheide – in Koproduktion mit TATWERK | Performative Forschung | 21.04-24.04.2022

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Manchmal bewegen wir uns völlig unbewusst an historischen Orten – flanieren, denken ungedachte Gedanken, richten uns aus – ohne die Bedeutung dieser Orte in einem größeren Zusammenhang zu erahnen, den wir so unbedacht für uns erfassen. Im choreographischen Audiowalk TURN – Kartographie einer Bewegung – untersucht Nora Tormann die Möglichkeiten, Geschichte nicht zu vergessen, jene zu integrieren – aber vor allem sie sinnvoll für eine offene Gesellschaft zu transformieren. Dabei wird das Publikum zu Flâneusen, schlendert zwischen den eingeschriebenen Wegen und vergessenen Pfaden der Hasenheide.

Abb. oben: Nora Tormann, Turn, credit Oliver Look

„Mir geht es um eine queere und antifaschistische Aufarbeitung von der deutschen nationalistischen Turnbewegung, die Anfang des 19. Jahrhunderts in der Hasenheide ihren Ursprung fand“

– NORA TORMANN

1811 wurde in der Hasenheide, dem Park, den wir heutzutage eher als einen queeren, migrantischen und für das eine oder andere Drogenbusiness bekannten Ort erleben, der erste Turnplatz errichtet. Hier versammelten sich zunächst hunderte, dann tausende junge Turner, um in der Öffentlichkeit Körper und Geist zu formen. Die Turnbewegung wurde zu einem Politikum, da sie ein Verstoß gegen etablierte Formen darstellte, doch zog diese alsbald tausende Zuschauer:innen in die Hasenheide, um den Jungen und Männern bei ihren Übungen und Gruppen- Choreographien zuzusehen. Zunächst als Tummelplatz für die gesamte Bevölkerung gedacht, wurde das Turnen schnell ideologisch und trug mit der Formung eines Volkskörpers zu Nationalisierung der Massen bei.

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Nora Tormann, Turn, credit Oliver Look

TURN – Kartographie einer Bewegung legt aus queerer und antifaschistischer Perspektive Vergangenheit und Gegenwart der Hasenheide übereinander und sucht nach den Möglichkeiten der gemeinsamen Des-Orientierung und Neuformulierung.

„Für TURN möchte ich die Geschichte des Parks aufarbeiten, aber auch mit der Fragestellung betrachten, wie wir uns als individuelle Körper und vor allem als Gruppe im öffentlichen Raum ausrichten können. Das große und gemeinsame Bewegen hinterlässt schnell einen militaristischen und faschistoiden Geschmack. Mich interessiert welche Formen ein kritischer, solidarischer und fürsorglicher Gegenentwurf des gemeinsamens Bewegens finden kann – im tänzerischen und im politischen Sinne.”,

NORA TORMANN.

Für den choreographischen Audiowalk hat Tormann die Stimme der Flâneuse herausgearbeitet – als feministischen Counterpart zum Flaneur. Diese beobachtet, denkt und kommentiert im Schlendern und nimmt Bezug auf die Geschichte der Hasenheide. Ohne den Weg der Gedanken noch der Guides zu kennen, bewegt sich das Publikum in kleinen Gruppen durch den Park und trifft immer wieder auf choreographische Sequenzen der Performer:innen. Auf schnörkeligen und scheinbaren Irrwegen entsteht eine Choreographie aus dem kleinsten Nenner einer gemeinsamen Bewegung – dem Gehen.

DEEDS NEWS - courtesy of TATWERK - Nora Tormann - credit Oliver Look
Nora Tormann, credit Oliver Look

Nora Tormann arbeitet mit Performance, Choreographie und Text. Schwerpunkt Noras choreographischer Arbeit ist die Untersuchung von Körpern als Schauplätze politischer und philosophischer Abhandlungen: Wie formen ideologische Regime und Körper sich gegenseitig? Noras Praxis bewegt sich dabei an der Schnittstelle künstlerischer und theoretischer Forschung und stellt die Paradigmen in Frage, die die jeweiligen Wissensbereiche ausmachen.

Noras aktuelle Arbeit TURN – Kartographie einer Bewegung wird als choreographischer Audiowalk im April 2022 Premiere feiern. Zuvor entstanden physical prospects (ACUD Theater Berlin, 2021 – und 2022 im Programm der Szene des Performing Arts Festivals zu sehen) und das Solo what remains washes away (Celestial Bodies Performing Arts Festival Reykjavík, 2019)

DEEDS NEWS - courtesy of TATWERK and Nora Tormann - Turn - credit Oliver Look 1
Nora Tormann, Turn, credit Oliver Look

Als Tanz-Dramaturg:in arbeitete Nora seit 2019 u.a. mit dem Tanz-Kollektiv „Grupo Oito“, der Performance-Kompanie für junges Publikum „in back“ und Solo-Küstler:innen zusammen. Nora ist Co-Gründer:in von CELESTIAL BODIES, einer europaweiten Plattform für Künstler:innen.

Nora hat einen Master in Darstellender Kunst (2019 in Reykjavík) und einen Bachelor mit Schwerpunkt auf politische Theorie, Gender Studies und Soziologie (2016 in Maastricht und Guadalajara) abgeschlossen. 2021 erhielt Nora Stipendien durch den Fonds Darstellende Künste sowie den Dachverband Tanz Deutschland und wird zudem seit 2022 durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa mit einem Kulturaustausch-Stipendium gefördert. 2022 wird Nora überdies in Residenz am tanzhaus nrw arbeiten.

DEEDS NEWS - courtesy of TATWERK and Nora Tormann - Jahn - (c) Nora Tormann
Jahn, copyright Nora Tormann

Über das Tatwerk

Das TATWERK versteht sich als ein Labor zur Erforschung ästhetischer Potenziale und bildet eine diverse Gemeinschaft als Inkubator neuer Ideen, Perspektiven und Praktiken. Der Fokus liegt auf politischen und poetischen Projekten, visionären Konzepten, die gesellschaftliche Dynamiken spiegeln und hinterfragen und anhand ihrer Fragestellungen neue Arbeitsweisen und Formate in die Szene einbringen.

Im TATWERK treten Künstler:innen in unterschiedlichen Formaten auf: es finden dort Premieren und Gastspiele, aber auch analoge und digitale Werkschauen und Work-in-Progress statt. So begrüßen wir bei unseren Events ein diverses Publikum, das auf Entdeckungsreise in die Tiefen der zeitgenössischen darstellenden Künste gehen will.

Mit dem choreographischen Audiowalk „TURN – Kartographie einer Bewegung“ öffnet sich das TATWERK das erste Mal dem öffentlichen Raum und erkundet, zusammen mit den Künstler:innen, die Wirkungsmöglichkeiten der eigenen Arbeit über die eigene Räumlichkeiten hinaus.

DEEDS NEWS - courtesy of TATWERK and Nora Tormann - Turn - credit Oliver Look 4
Nora Tormann, Turn, credit Oliver Look

Eine Produktion von Nora Tormann in Koproduktion mit TATWERK | Performative Forschung.
Gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR

Regie & Choreographie: Nora Tormann
Dramaturgie: Judith Hesselmann
Performance: Sasha Amaya, Soroa Lear, Ottoline Calmeijer Meijburg, Areli Moran, Hannah Sampé, Cinzia Schincariol, Milena Stein, Dominique Tegho
Sounddesign: Manuela Schininà
Kostümdesign: Cintia Rangel
Sprecher:innen: Virginia V. Hartmann, Mira Sanjana Sharma
Tontechnik: Lola Tseytlin Produktionsleitung: Chris Wohlrab
Öffentlichkeitsarbeit: Aurora Kellermann
Pressearbeit: Anita Goß
Photos: Oliver Look
Videodokumentation: Svenja Simone Schulte
Grafik: Cécile Kobel (Grafikbüro Karankobel)
Assistenz: Mareike Jung
Technik: Lola Tseytli
Medienpartner: DINAMIX Medien GmbH und Plakatkultur

WANN?

Do 21.04.22 18:00 Uhr – Premiere
Fr 22.04.22 18:00 Uhr
Sa 23.04.22 14:00 und 18:00 Uhr
So 24.04.22 18:00 Uhr

Im Anschluss an die Performance vom 23.04.2022 findet um 18 Uhr ein Vermittlungsformat in Kooperation mit Theaterscoutings Berlin statt.

WO?

Hasenheide
10967 Berlin-Neukölln
Treffpunkt / Einlass: Hasenheide, Eingang Freiluftkino
Einlass startet 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

KOSTET?

Tickets: 15,00€ / ermäßigt 10,00€ (zzgl. VVK-Gebühr)

Hygienemaßnahmen: Aktuell geltende Regelungen werden beim Ticketkauf kommuniziert.

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