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Montag, November 28, 2022

Spheres of Interest nach Ruth Wolf-Rehfeldt – ifa-Galerie Berlin | 24.06.-18.09.2022

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Seit 2020 laden die ifa-Galerien Berlin und Stuttgart unter dem Format out of the box internationale zeitgenössische Künstler:innen zu dialogischen Begegnungen mit einzelnen künstlerischen Positionen des ifa-Kunstbestandes ein. Für die Ausstellung Spheres of Interest, die vom 24. Juni – 18. September in der Berliner Galerie gezeigt wird, haben die Kuratorinnen Inka Gressel und Susanne Weiß sechs in Berlin lebende internationale Künstler:innen gebeten, sich den Facetten und Ebenen der außergewöhnlichen Sammlung des ifa mit insgesamt über 23.000 Werken in einem offenen Prozess zu nähern. Die historischen Eigenheiten und Strukturen des ifa-Kunstbestandes, seine Ausstellungsgeschichten und die spezifische Zusammenstellung durch den teilweisen Erhalt der Sammlung des Zentrums für Kunstausstellungen (ZfK) der DDR bilden den Ausgangspunkt der gemein[1]samen künstlerischen kuratorischen Untersuchung.

Abb. oben: Wolf-Rehfeldt, Spheres of Interest, 1975, Zinkographie, 21 × 29.5 cm. Courtesy die Künstlerin und Chert Lüdde, Berlin

Spheres of Interest zeigt die Annäherungen der Künstler:innen sowie 45 Kunstwerke aus dem ifa-Bestand, die nun aus den Transportkisten gehoben werden, von langen Reisen mit zahllosen Tourneestationen zurückkommen oder gerade restauriert wurden. Einige der Werke werden zum ersten Mal ausgestellt, darunter die beiden Skulpturen Mädchenkopf (1963) und Otto Nagel (19770/1971) von Wieland Förster, die das ifa aus dem Zentrum für Kunstausstellungen der DDR (ZfK) übernommen hat und die sich als Dauerleihgabe in der Berlinische Galerie befinden. Der Ausstellungstitel Spheres of Interest verweist auf das gleichnamige Werk von Ruth Wolf-Rehfeldt, eine Pionierin der Mail Art in der DDR, die – anders als ihr Mann Robert Rehfeldt – bisher nicht Teil des Kunstbestandes gewesen ist.

DEEDS NEWS - courtesy of ifa-Galerie - Endre Tót - I M LOOKING FOR NOBODY
Endre Tót, I’M LOOKING FOR NOBODY, aus der Fotoserie HOPES IN THE NOTHING, 1980, Farbfoto
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Isaac Chong Wai, Lizza May David, Wilhelm Klotzek, Ofri Lapid, Adrien Missika und Gitte Villesen befragen die Sammlung aufgrund ihrer eigenen „Spheres of Interest“. Sie suchen nach Überschneidungen, Parallelen und Leerstellen. In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung beschränken sie sich dabei nicht auf den Ausstellungsraum der Galerie, sondern gehen, analog zum ifa, auch nach „draußen“ in den öffentlichen Raum oder auf Reisen.

Isaac Chong Wai (*1990) entwickelt eine Performance die sich auf den Holzschnitt Die Mütter (1922/23) von Käthe Kollwitz bezieht und sich um die Darstellung eines von Kriegserfahrungen gezeichneten kollektiven Körpers dreht. In Trauergesängen öffnen die von ihm eingeladenen Performer:innen in der Klosterruine Berlin den geschlossenen Körper des Widerstands und Schutzes, den Kollwitz dargestellt hat. Lizza May David (*1975) widmet sich in ihren Recherchen der Repräsentation einer migrantischen deutschen Nachkriegsgesellschaft, wobei sie auf den Maler Franz Klekawka und seine „naiven Malereien“ aus den 1970er Jahren stieß. Ofri Lapid (*1983) entwickelt ausgehend von Joseph Kosuths lexikalischen Arbeiten, die in den letzten 22 Jahren durch die Welt gereist sind, eine den Ausstellungsorten folgende multilinguale „Sprach-Tournee“. Adrien Missika (*1981) präsentiert mit MOTUS eine lokale Pop-up Ausstellung, für die er ein Lastenrad entworfen hat, um ausgewählte Fluxus Arbeiten an Orten im öffentlichen Raum zu aktivieren.rie, sondern gehen, analog zum ifa, auch nach „draußen“ in den öffentlichen Raum oder auf Reisen.

DEEDS NEWS - courtesy of ifa-Galerie - Villesen und David - Foto Adrien Missika
Lizza May David und Gitte Villesen vergleichen Blicke. Links: The Unknown Filipina, 2010 von Lizza May David,
rechts Mischling, 1924 von Hannah Höch. Foto: Adrien Missika

Wilhelm Klotzek (*1980) gestaltet einerseits aus Stadtraumelementen ein Display, das als Scharnier zwischen den Exponaten fungiert. Mit einer Intervention an der Fassade der Galerie verschiebt er die Wahrnehmung des Straßenzuges und lenkt den Blick auf Kunstwerke aus dem Bestand des ZfK – die bis dato noch nicht gezeigt worden sind – sowie auf Werke von Wieland Förster und Carlfriedrich Claus, auf die er mit einer akustischen Assemblage reagiert. Gitte Villesen (*1965) blickt aus einer feministischen Perspektive auf die Leerstellen der Sammlung und wählt dementsprechende Werke aus. Ihre Text- und Bildtableaus thematisieren darüber hinaus die Richtungen des gemeinsamen Suchprozesses.

In der intensiven kuratorisch-künstlerischen Zusammenarbeit kommen kritische und humorvolle Betrachtungen, Kommentare und Fragestellungen zusammen. Sie berühren dringliche Momente unserer Gegenwart, stellen kollektive Erinnerungen und neue Handlungsmomente heraus.

DEEDS NEWS - courtesy of ifa-Galerie - Käthe Kollwitz - Die Mütter
Käthe Kollwitz, Die Mütter, Bl. 6 der Folge Krieg, 1922/23, Holzschnitt

Spheres of Interest nach Ruth Wolf-Rehfeldt
featuren Werke aus der Sammlung des ifa von Joseph Beuys/Nicolás García Uriburu, John Cage, Carlfriedrich Claus, Wieland Förster, Zille Homma Hamid, Geoffrey Hendricks, Dick Higgins, Hannah Höch, Franz Klekawka, Käthe Kollwitz, Joseph Kosuth, Paula Modersohn-Becker, Simone Nieweg, Robert Rehfeldt, Takako Saito, Eran Schaerf, Endre Tót, Rosemarie Trockel, Ruth Wolf-Rehfeldt

Die Ausstellung wird kuratiert von Inka Gressel und Susanne Weiß.

Während der Laufzeit finden Performances, Künstlergespräche, Veranstaltungen und Lesungen statt.

Zweiter Teil: (29. September 2022 – 15. Januar 2023)
Der zweite Teil der Ausstellung wird die individuellen Recherchen und Kontextualisierungen von Isaac Chong Wai, Lizza May David, Wilhelm Klotzek, Ofri Lapid, Adrien Missika und Gitte Villesen in den Fokus rücken.

DEEDS NEWS - courtesy of ifa-Galerie Berlin - Isaac Chong Wai - Die Mütter - (c) Victoria Tomaschko
Isaac Chong Wai, Die Mütter, Performance, 2022, © Victoria Tomaschko

Der ifa-Kunstbestand
Seit sechs Jahrzehnten vernetzt sich das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen als deutsche Mittlerorganisation von Stuttgart aus mit der Welt – unter anderem in Form von Ausstellungen. Die dafür seit den 1970er Jahren angekauften Werke aus den Bereichen Kunst und Design aus dem 20. und 21 Jahrhundert bilden dabei den Grundstock. Die Geschichte des ifa-Kunstbestands ist eng mit dem Konzept der ifa-Tourneeausstellungen verbunden, bei der Kurator:innen monografische Ausstellungen entwickeln, die herausragende künstlerische Positionen aus Deutschland präsentieren, um damit international auf Tournee zu gehen. Sie werden in großen und kleinen Museen und Kultureinrichtungen präsentiert. Einen weiteren Schwerpunkt bilden gesellschaftspolitisch relevante Projekte, die zeitgenössische künstlerische Tendenzen vermitteln. Derzeit sind Exponate in 20 Ausstellungen zu sehen, zudem befindet sich ein weiterer Teil des Kunstbestands als Leihgaben in Museen.

Out of the box
Seit 2020 laden die ifa-Galerien Berlin und Stuttgart internationale zeitgenössische Künstler:innen zu dialogischen Begegnungen mit einzelnen künstlerischen Positionen des ifa-Kunstbestandes ein. Out of the Box steht für diese Praxis der Neubetrachtung einzelner Werke. Auftakt bildete die Ausstellung Time Goes By von Rebecca Horn und Antonio Paucar in der ifa-Galerie Berlin. 2021 folgten Eine natürliche Ordnung der Dinge mit Lothar Baumgarten und Gabriel Rossell Santillán in der ifa-Galerie Stuttgart und Aufzeichnungen einer Seherin in der ifa-Galerie Berlin, die Zeichnungen von Joseph Beuys in ein narratives Zusammenspiel mit Andrea Acosta, Anne Duk Hee Jordan und Sara Ouhaddou setzte.

DEEDS NEWS - courtesy of ifa-Galerie - ifa Kunstbestand - (c) victoria tomaschko
ifa-Kunstbestand (Lager Berlin), ifa- Institut für Auslandsbeziehungen © Victoria Tomaschko

Über das ifa
Das ifa – Institut für Auslandsbeziehungen setzt sich als Mittler und Akteur mit seinen Netzwerken, Projekten und seiner Forschung weltweit für die Freiheit in Kunst, Zivilgesellschaft und Wissenschaft ein. Es schafft analoge und digitale Räume für Begegnung, Austausch, Aushandlung und Ko-Kreation. Das ifa fördert den Kunst- und Kulturaustausch in Ausstellungs-, Dialog- und Konferenzprogrammen und agiert als Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Es ist weltweit vernetzt und setzt auf langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Das ifa wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart.

WANN?

Eröffnung: Donnerstag, 23. Juni 2022, 18:00 Uhr
Performance Konzert: 20:00 Uhr
MOTUS (Adrien Missika) feat. John Cage: Mozart Mix

Ausstellungsdauer: Freitag, 24. Juni – Sonntag, 18. September 2022

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 14:00-18:00 Uhr / Donnerstag 14:00-20:00 Uhr

Sonderöffnungszeiten Berlin Art Week 2022
Mittwoch, 14. September., 14:00–22:00 Uhr
Donnerstag.–Sonntag, 15.–18. September 2022., 14:00–21:00 Uhr

WO?

ifa-Galerie Berlin
Linienstraße 139/140
10115 Berlin-Mitte

KOSTET?

Eintritt frei

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