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Cao Fei. Meta-mentary – Lenbachhaus München | 13.04-08.09.2024

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Ab Samstag, 13. April 2024 präsentiert Lenbachhaus München die Ausstellung Meta-mentary, zu erleben, bei der die filmischen Bildwelten und das künstlerische Vokabular von Cao Fei Teil des Kunstbaus werden. Cao Fei gilt international als eine der wichtigen Vertreterinnen post-digitaler Kunst. Der Begriff des Post-Digitalen existiert seit Anfang der 2000er Jahre und benennt eine Kunst, deren Thema und wesentlicher Bestandteil die digitale Durchdringung unseres Alltags ist. Kunst wird aus dem Digitalen heraus gedacht und eignet sich dessen Strukturen und Charakteristika an.

Abb. oben: Ausstellungsansicht / Installation View, Cao Fei. Meta-mentary, Lenbachhaus, 2024. Foto / Photo: Simone Gänsheimer, Lenbachhaus, © Cao Fei, 2024. Courtesy Sprüth Magers and Vitamin Creative Space

Cao Fei wurde 1978 im chinesischen Guangzhou als Tochter einer Künstlerin und eines Künstlers geboren. 2001 schloss sie selbst ein Studium an der dortigen staatlichen Kunstakademie ab. Als Kind des Pearl River Delta wuchs sie in einer Gegend Chinas auf, die im Zentrum rasanten Wirtschaftswachstums und städtebaulicher Entwicklung stand. Popkultur, Computerspiele, Unterhaltungselektronik und neueste Technologien waren ihre Jugendgefährten. Seit 2006 lebt und arbeitet sie in Beijing.

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Ausstellungsansicht / Installation View, Cao Fei. Meta-mentary, Lenbachhaus, 2024. Foto / Photo: Simone Gänsheimer, Lenbachhaus, © Cao Fei, 2024. Courtesy Sprüth Magers and Vitamin Creative Space

In ihren Filmen, Fotos und begehbaren Multimedia-Installationen beschäftigt sich Cao Fei mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen ihrer und unserer gemeinsamen Lebenswelt. Digitalisierung, Globalisierung, die Veränderung urbaner und vorstädtischer Strukturen und damit unserer Lebensräume sind Kern ihrer künstlerischen Arbeit. Ihr Augenmerk richtet sich darauf, wie wir Menschen leben, auf Entwicklungen um uns herum reagieren, uns ihnen anpassen oder sie aktiv in unser Leben einbeziehen. Für ihre Werke hält sich Cao Fei mitunter selbst mittels ihrer Avatare in der virtuellen Welt auf und dokumentiert ihre Wahrnehmung und Aneignung digitaler Realitäten in individueller Bildsprache und charakteristischen künstlerischen Räumen. Fünf Themenbereiche – im Heft durch doppelseitige Abbildungen aufgegliedert – leiten Sie durch das Forschungs- und Gedankenuniversum der Künstlerin.

Alle Projekte stehen durch wiederkehrende Thematik oder Figuren miteinander in Beziehung.

Auf die Suche nach dem Metaversum geht Cao Fei in ihrem Film Metamentary, der dieser Ausstellung den Titel gibt und an ihrem Beginn steht. Er startet mit der Frage „Wie komme ich ins Metaversum?“ und erforscht anhand von Interviews auf den Straßen chinesischer Städte verschiedene Meinungen zum Metaversum und dessen Angeboten für eine alternative Lebensrealität.

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Ausstellungsansicht / Installation View, Cao Fei. Meta-mentary, Lenbachhaus, 2024. Foto / Photo: Simone Gänsheimer, Lenbachhaus, © Cao Fei, 2024. Courtesy Sprüth Magers and Vitamin Creative Space

Der riesenhafte Asia One Octopus steht als Sinnbild für eine mit Intelligenz ausgestattete Mensch-Maschine und verkörpert unser Dasein zwischen organischem Wesen in der Realität und technisch gesteuertem Gerät in der Virtualität.

In Cosplayers dokumentiert Cao Fei das Hobby der Menschen, die mittels selbst gefertigter Kostüme die Identität von Animé-Figuren annehmen und sich temporäre Welten und Umgebungen schaffen, in denen sie sich aufhalten und miteinander agieren.

Generell sind Freizeitbeschäftigungen ein bedeutsamer Teil des Lebens in China. Soziales Miteinander und gemeinsame körperliche Betätigung, oftmals offiziell organisiert, sind deren Mittelpunkt. So wird mittels Spiel und Unterhaltung Zerstreuung betrieben, die von politischer Teilhabe ablenkt. In der Ausstellung kommt das Thema „Freizeit“ in Filmen wie A Holiday oder MatryoshkaVerse vor; es ist jedoch auch Gegenstand des Badmintonfeldes, das für unser Ausstellungspublikum aktiv benutzbar ist. Sie sind jederzeit eingeladen, die Schläger in die Hand zu nehmen und mit Ihrer Begleitung oder anderen Besucher*innen Badminton zu spielen – Wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei!

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Cao Fei, DUOTOPIA 03, 2023, Fotografie / Photograph, Digitaldruck auf Diasec / Inkjet on diasec, 200 x 145 cm © Cao Fei 2024, Courtesy Sprüth Magers and Vitamin Creative Space

Als Avatar Oz bewohnt Cao Fei DUOTOPIA – ihre erste architektonische Konstruktion im Metaversum. „Duo“ bedeutet auf Mandarin „viele“. Die beiden zugehörigen Filme 1st und 2nd Edition zeigen Entwürfe von in unbestimmter Zukunft gelegenen Traumwelten.

Cao Feis Trilogie A Holiday, Isle of Instability, Still Alive besteht aus Filmen, die sie während der Covid-Pandemie drehte. Die Null-Covid-Politik in China drang verschiedentlich in die Lebenswirklichkeit von Menschen und Familien ein: Berufliche und finanzielle Einbrüche, Homeschooling, Langeweile, Unterbrechungen von Entwicklung, medizinische Notfälle, sogar Tod sind Folgen, die zum Teil erst in Zukunft spürbar sein werden. Anhand verschiedener Porträts und menschlicher Nöte zwischen 2020 und 2022 zeichnet die Künstlerin Lebensfacetten während der Pandemie auf.

Eines ihrer Schlüsselwerke ist der Komplex RMB City. 2006 trat Cao Fei mit ihrem ersten Avatar China Tracy in die virtuelle Welt Second Life ein und gründete dort die fiktive Stadt RMB City. Daraus ergaben sich mehrere Filme und Einzelprojekte, die in der Ausstellung erlebbar sind.

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Cao Fei, MatryoshkaVerse 06, 2022, Fotografie / Photograph, Digitaldruck auf Diasec / Inkjet on diasec, 105 x 157 cm © Cao Fei 2024, Courtesy Sprüth Magers and Vitamin Creative Space

Der letzte Ausstellungsteil fokussiert auf die Jahre der chinesisch-sowjetischen Verbrüderung zwischen 1949 und 1990. Fantastisches und Dokumentiertes, Erfindung und Realität, Digitales und Menschliches verbinden sich in MatryoshkaVerse, Nova und Hongxia zu surreal-dystopischen Bildern und origineller Ästhetik und werden in Filmen und einer umfassenden Installation erfahrbar.

Cao Feis Multimedia-Projekte bezeugen, wie wir Menschen mit der Schönheit und zugleich den Gefahren einer technisierten, globalisierten und hypervernetzten Welt zurechtkommen, und was diese an physischen und psychischen Auswirkungen auf uns hat. Die Künstlerin erforscht und zeigt, wie rapider gesellschaftlicher Wandel durch digitale Technologien noch beschleunigt wird und dadurch menschliche Erfahrungen bzw. das Selbstverständnis menschlichen Daseins im Innersten berührt und verändert werden. Ihre Werke changieren dabei zwischen Melancholie und Humor, zwischen Utopie und Dystopie, zwischen Schönheit und Horror.

Cao Fei war bei zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten: Shanghai Biennale 2004, Moskau Biennale 2005, Taipei Biennale 2006, Sydney Biennale 2006 und 2010, Istanbul Biennale 2007, Yokohama Triennale 2008, Venedig Biennale 2003, 2007 und 2015. Einzelausstellungen waren u.a. zu sehen am MoMA PS1, New York, 2016; Tai Kwun Contemporary, Hongkong, 2018; K21, Düsseldorf, 2018; Centre Pompidou, Paris, 2019; Serpentine Galleries, London, 2020; UCCA Center for Contemporary Art, Beijing, 2021; MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rom, 2021; Pinacoteca de São Paolo 2023. 2024 erhielt sie den SCAD deFINE ART Preis.

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Ausstellungsansicht / Installation View, Cao Fei. Meta-mentary, Lenbachhaus, 2024. Foto / Photo: Simone Gänsheimer, Lenbachhaus, © Cao Fei, 2024. Courtesy Sprüth Magers and Vitamin Creative Space

Meta-mentary

„Ich möchte ins Metaversum“ lautet die Spracheingabe in eine Navigationssoftware zu Beginn von Meta-mentary. In Anlehnung an SmartphoneDisplays ist das Video im Hochformat gefilmt und präsentiert. Cao Feis Erkundigungen beginnen in einem Taxi. Auf ihrem Weg ins „Metaversum“ interviewt die Künstlerin verschiedene Personen, die sie zufällig im Alltag der Straßen von Beijing und anderen chinesischen Städten trifft. Sie stellt ihnen Fragen zur Verfasstheit des Metaversums, zu seinem Potential, seinen Bestandteilen, Herausforderungen und Möglichkeiten. Diese Fragen und Antworten ergeben ein Bild, in dem sie das Analoge und Digitale, Authentizität und Reproduktion sowie die Grenzen und Überschneidungen des realen und virtuellen Raums hinterfragt. Zugleich lädt sie ein zur Reflexion über den Einfluss der digitalen Revolution auf unsere Identität, Emotionen und Bedürfnisse sowie unseren Gemeinschaftssinn, unsere sozialen Beziehungen und Interaktionen

Cao Feis Streifzug durch die Straßen führt sie zu einer Metaverse Demonstration Mall, die sich in einem abgelegenen Hinterhof befindet und ausschließlich für Mitglieder zugänglich ist. Angesichts der vielschichtigen Welt, in der sich Realraum und virtuelle Räume immer stärker miteinander verflechten und ergänzen, stellt die Künstlerin heraus, dass jedes Individuum selbst über seine Partizipation und Interaktion mit den verschiedenen Welten entscheiden soll. Erwartungshaltungen und eine gewisse Skepsis seien wichtig für einen integrativen Umgang mit den Potentialen beider Welten.

WANN?

Samstag, 13. April bis Sonntag, 8. September 2024

Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag bis Sonntag und feiertags: 10–18 Uhr
Donnerstag: 10–20 Uhr

WO?

Städtische Galerie im Lenbachhaus
Luisenstraße 33
80333 München

KOSTET?

Regulär: 10 Euro
Ermäßigt: 5 Euro

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