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Sonntag, Mai 19, 2024

Temporäre Ausstellung: Kunst als Beute. 10 Geschichten – Humboldt Forum | 22.03.2024-26.01.2025

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In der vom Mauritshuis in Den Haag initiierten Ausstellung ab 22. März 2024, “Kunst als Beute. 10 Geschichten”, präsentiert das Humboldt Forum zehn Fallstudien zu Raub- und Beutekunst in drei Epochen: den napoleonischen Kriegen, der Kolonialzeit und der Zeit des Nationalsozialismus. Jedes der Objekte hat eine eigene Provenienzgeschichte, die stellvertretend für viele andere Objekte stehen. In einer künstlerischen Intervention machen die Gastkurator*innen und Creative Directors Eline Jongsma und Kel O’Neill ihre Geschichten mit Videos, Virtual Reality und Texten erlebbar und zeigen mögliche Ansätze eines musealen Umgangs mit diesen Objekten. Einige der Artefakte stammen aus Berliner Beständen – dem Stadtmuseum Berlin, dem Ethnologischen Museum und der Gipsformerei. Mit den Themen Raub, Restitution und Zusammenarbeit befassen sich auch ein Späti am 22. März und ein Debattentag am 23. März.

Abb. oben: VR-Innenansicht von der Quadriga auf dem Brandenburger Tor aus der Ausstellung “Kunst als Beute. 10 Geschichten”, © Jongsma + O’Neill

Kunst und Objekte sind Spiegel von historischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Manchmal erzählen sie von Liebe, Zusammenhalt und Zukunft. Immer wieder waren und sind ihre Geschichten jedoch Teil von Gewalt, Missbrauch und Raub. Napoleon stärkte seine Position, indem er geraubte Kunstschätze in seinem Musée Napoleon ausstellte. Adolf Hitler ließ Kunst für sein geplantes Museum beschlagnahmen. Auch und gerade im Zuge der kolonialen Ausbeutung und Herrschaft durch europäische Mächte wurden zahlreiche cultural belongings geraubt und nach Europa verschifft.

Die Ausstellung Kunst als Beute. 10 Geschichten untersucht exemplarisch die verschiedenen Aspekte von Raub- und Beutekunst und ihren Folgen. Initiiert wurde sie vom Mauritshuis in Den Haag, wo die Präsentation 2023 eröffnet wurde. In zehn Fallstudien geht sie der Geschichte und Zukunft von unrechtmäßig angeeigneten Objekten nach und streift die Themen Provenienzforschung, Restitution und das Selbstverständnis von Museen. Dabei konzentriert sich die Ausstellung auf drei Epochen, die die Sammlungen der beteiligten Museen und Institutionen aus den Niederlanden, Deutschland und Frankreich widerspiegeln: die Napoleonischen Kriege, der europäische Kolonialismus und die Zeit des Nationalsozialismus. In der Zusammenarbeit werden verschiedene Perspektiven und Ansätze im Umgang mit den Objekten sichtbar

DEEDS.NEWS - Humboldt Forum - © Musee des beaux-arts de Rennes, Stadtmuseum Berlin, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss - Foto Alexander Schippel
Blick in die Ausstellung “Kunst als Beute. 10 Geschichten”, © Musée des beaux-arts de Rennes, Stadtmuseum Berlin, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Foto: Alexander Schippel

Eline Jongsma und Kel O’Neill, die Gastkuratorinnen und Creative Directors der Ausstellung, begeben sich auf Spurensuche und nähern sich den Geschichten hinter den Objekten wie auch den Leerstellen in den Provenienzketten in einer künstlerischen Intervention an. Dazu gehören Virtual-Reality-Erlebnisse, Videoinstallationen und ein digitales 3-D-Modell, die zum Nachdenken anregen: In welchen Kontexten wurden Objekte geraubt und wie gelangten sie in die Museen? Wie gehen die Museen heute mit Raub- und Beutekunst um? Sowohl die Gestaltung als auch die Erzählung selbst sind wesentlich für die Grundidee der Ausstellung: den Besucherinnen einen Einblick in die Provenienzforschung und eine mögliche Zukunft des Umgangs mit Raubkunst und Restitution zu geben. Und zu zeigen, wie zurückgegebene Objekte auch in Museen weiterhin sichtbar bleiben können. Die Ausstellung befasst sich auch mit Objekten, bei denen eine Rückgabe bereits erfolgt ist oder der Prozess andauert, mit Objekten, deren Geschichte nicht vollständig rekonstruierbar ist oder für die kein rechtmäßiger Eigentümer gefunden werden kann. Und es gibt auch Objekte, bei denen trotz intensiver Recherche noch nicht abschließend geklärt ist, ob sie ebenfalls unrechtmäßig entzogen wurden – dies ist der Fall bei der Anet-Kommode aus dem Stadtmuseum Berlin.

Objekte, Artefakte und cultural belongings in der Ausstellung
In der Ausstellung sind drei Leihgaben aus der Sammlung des Stadtmuseums Berlin zu sehen: das Silber-Sonderinventar des Märkischen Museums, die Anet-Kommode aus dem sogenannten Reichsbank-Möbelkonvolut und der Pferdekopf der Quadriga des Brandenburger Tors. Das Ethnologische Museum – Staatliche Museen zu Berlin präsentiert aus seiner Sammlung einen verzierten Stab aus Suriname sowie einen Kris (Dolch) aus Bali. Die Gipsformerei – Staatliche Museen zu Berlin unterstützt die Ausstellung mit Repliken und Gussformen der Benin-Bronzen. Aus den Beständen des Mauritshuis werden Gemälde von Rembrandt und Paulus Potter gezeigt, überdies eine filmische Dokumentation zu dem 3-D-Modell der zwischenzeitlich an Sri Lanka restituierten Kanone von Kandy, einer edelsteinbesetzten Zierkanone, die im Rijksmuseum in Amsterdam aufbewahrt wurde. Als Leihgabe aus dem Musée des Beaux-Arts de Rennes wird ein Gemälde von Jan Mijtens präsentiert.

Programm zur Ausstellung
„Zehn von Tausenden“: Die realisierten Fallbeispiele sind nur wenige von vielen anderen denkbaren Objektgeschichten. Das Programm versucht daher, die Komplexität des Themas aufzufächern und verfolgt Hintergründe und Diskurse über Raubkunst.

Im Späti Kunst als Beute: Ein Stab geraubt in Suriname am 22. März sind Onias Landveld, ein niederländischer Künstler mit surinamesischen Wurzeln, und Andrea Scholz, Kuratorin des Ethnologischen Museums, zu Gast. Landveld hat sich mit einem zentralen Objekt der Ausstellung befasst: ein Stab (ca. 1900), der der Bevölkerungsgruppe der Maroons in Suriname während der niederländischen Kolonialzeit entwendet wurde und 1903 an das Ethnologische Museum in Berlin durch einen Sammler gelangte, heute also nach wie vor im Besitz des Museums ist.

DEEDS.NEWS - Humboldt Forum - Kunst als Beute. 10 Geschichten - © Mauritshuis
Exhibition view in the Mauritshuis, The Hague, © Mauritshuis

Am Debattentag über Raub Restitution und Zusammenarbeit: 10 von 1000 Geschichten: “Kunst als Beute” am 23. März geben Expertinnen und Wissenschaftlerinnen Einblick in die Provenienzforschung, teilen Wissensstände und zeigen mögliche Lösungen dafür auf, wie die Geschichten der Objekte in Zukunft weiter gestaltet werden können. Am Vormittag können Besucher*innen sowohl künstlerische als auch wissenschaftliche Beiträge zur Ausstellung hören, während sie am Nachmittag selbst ihre Fragen stellen können. Mit Onias Landveld, Eline Jongsma, Kel O’Neill, Regina Stein, Alexis von Poser, Hartmut Dorgerloh u.a.

Mit den Themen Provenienz, Rückgabe von Kulturgütern und den Auswirkungen des Kolonialismus können sich Besucher*innen auch in den Führungen Koloniale Gegenwart und Die Benin Bronzen. Restitution und was nun? sowie dem Workshop Transkulturell denken. Diebstahl, Aneignung und Tauschgeschäfte auseinandersetzen. Die Ausstellung wurde vom Mauritshuis in Den Haag initiiert und in Zusammenarbeit mit den Gastkuratoren und Creative Directors Jongsma + O’Neill entwickelt. Das Projekt wurde in Kooperation mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, der Stiftung Stadtmuseum Berlin und dem Ethnologischen Museum und Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz realisiert. Das Projekt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

WANN?

Freitag, 22. März 2024 – Sonntag, 26. Januar 2025
Öffnungszeiten: Täglich von 10:30 bis 18:30 Uhr
Dienstags geschlossen

Späti: Ein Stab geraubt in Suriname. Freitag, 22. März, 16:30–20:30 Uhr
Debattentag: Samstag, 23. März: 11–18 Uhr

WO?

Raum 312,
Humboldt Forum
Schloßplatz
10178 Berlin

KOSTET?

Eintritt frei

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