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Mart Stam Preis 2022 – Weißensee Kunsthochschule Berlin | 03.11.2022

Editors’ Choice

Im Rahmen einer festlichen Preisverleihung erhielten am 03.11.2022 neun Absolvent_innen der weißensee kunsthochschule berlin den Mart Stam Preis für ihre herausragenden Abschlussarbeiten aus den Bereichen Kunst und Design.

Abb. oben: © Jakob Wirth, Aktion Parasite Parking

Mit dem Mart Stam Preis 2022 ausgezeichnet wurden:

Milan Bergheim, Produkt-Design, re:wet/peat:lab
Die Abschlussarbeit des Produktdesigners Milan Bergheim macht auf die ökologische Bedeutung der Moore und Feuchtgebiete aufmerksam, die durch sinkende Grundwasserspiegel und landwirtschaftliche Nutzung austrocknen und dabei große Mengen CO2 freisetzen. Ein von Bergheim erdachtes und leicht zu verwendendes Messgerät soll Landwirt_innen helfen, den Zustand ihrer Moore zu ermitteln, die Wiederbewässerung zu überwachen und diese zu steuern.

Kaja Busch, Mode-Design, no shame no gain
Inspiriert durch die Lektüren von Annie Ernaux und Didier Eribon unternimmt die Modedesignerin Kaja Busch den Versuch, das gängige Konzept von Mode gegen den Strich zu bürsten: In Performances näht sie sich selbst oder andere Frauen in Textilien ein und stellt dabei die individuellen Körper über die von der Modeindustrie und der Werbung zum Ideal erhobenen, angeblich perfekten Körper der Models.

Ju Hyun Hwang, Visuelle Kommunikation, Not ok – Anti-Asiatischer Rassismus
Für Ju Hyun Hwang wurden in der Corona-Pandemie die Vorurteile gegenüber Asiat_innen besonders spürbar. In Auseinandersetzung mit ihren Erfahrungen thematisiert sie in einem umfangreichen
Katalog visuelle und verbale Stereotypen und geht mit einer Plakatserie den diskriminierenden Zuschreibungen auf den Grund.

Nina Plášková, Bildhauerei, Dialog der Eingelegten
Im Grenzbereich zwischen Zeichnung und Malerei entwirft Nina Plášková eine innere Welt, die sich aus Alpträumen, antiken Mythen und Märchen speist. Plášková ist fasziniert von den dunklen Seiten
und Abgründen der menschlichen Psyche. Mit ihren Zeichnungen und Wandbildern stellt sie sich in die Tradition der Schwarzen Romantik in Literatur und Malerei.

Sabine Richter, Produkt-Design, Power to the period – using menstrual blood to diagnose diseases
Die Produktdesignerin Sabine Richter hat das Konzept für einen Testkit entwickelt, der es Frauen erlaubt, mit Menstruationsflüssigkeit Blutwerte zu analysieren und so eine selbstbestimmte Gesundheitsvorsorge zu betreiben.

Alexandra Ruppert, Visuelle Kommunikation, Atlas of a Dream Volcano
Alexandra Ruppert kartografiert und identifiziert die wiederkehrenden Muster ihrer Träume („I am unable to control the car“, „I am eating an animal“) und findet für diese grafische Entsprechungen, die zwischen wissenschaftlicher Illustration und Comic angesiedelt sind.

Vaia Tatopoulou, Textil- und Flächen-Design, und Lorenz Willkomm, Visuelle Kommunikation, Hohlräume, Exhibiting Depression
Über die eigenen Depressionen offen zu sprechen, ist in einer leistungsorientierten Welt riskant. Tatopoulou und Willkomm brechen das Tabu und verwandeln ihre privaten Räume in ein begehbares
Gesamtkunstwerk. Sie ermöglichen den Besucher_innen einen intuitiven und sinnlichen Zugang zu dem Thema, das ihr Leben bisher bestimmt hat.

Jakob Wirth, Raumstrategien, Parasite Parking
Jakob Wirth hat im Rahmen der letzten Architekturbiennale in Chicago einen niedrigen, rechteckigen Block auf Rollen auf kostenpflichtigen Parkplätzen abgestellt – er provozierte damit nicht nur Ärger,
sondern auch ein Nachdenken über unseren Umgang mit dem öffentlichem Raum, den er mit seinen Aktionen beispielsweise in einen Versammlungsort für Anwohner_innen oder Obdachlose transformiert.

Der nach dem niederländischen Architekten, Designer und ehemaligen Rektor der weißensee kunsthochschule berlin benannte Mart Stam Preis prämiert die Gewinner_innen mit einem Katalog und einer gemeinsamen Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien. 30 Absolvent_innen aus Kunst und Design haben sich in diesem Jahr um den Preis beworben. Mit ihren Abschlussarbeiten stellten sie sich am Tag vor der Preisverleihung persönlich der Jury vor. Stefan Koppelkamm, Vorsitzender der Mart Stam Gesellschaft: „In dem was wir gesehen und gehört haben, scheint sich das zu spiegeln, was die Generation der zwischen 20- und 30-jährigen derzeit bewegt. Das
Themenspektrum reicht von der Erkundung und der produktiven künstlerischen Verarbeitungen des eigenen Seelenzustands – wie etwa der Auseinandersetzung mit Träumen und Ängsten, Körperscham
oder Ausgrenzung auf Grund psychischer Erkrankungen – bis hin zur offensiven Auseinandersetzung mit alltäglichem Rassismus oder mit einer die Bedürfnisse der Menschen ignorierenden Stadtentwicklung“. Auch die Arbeiten der Preisträger_innen, die auf den ersten Blick lediglich individuelle Befindlichkeiten spiegelten, erwiesen sich dabei als höchst politisch, so Stefan Koppelkamm.

Die Mitglieder der Jury für den Mart Stam Preis 2022 waren:
Dr. Claudia Banz, Kuratorin am Kunstgewerbemuseum Berlin
Dominic Eger Domingos, Produktdesigner, Mart Stam Preis-Träger 2020
Prof. Kerstin Gottschalk, Künstlerin, Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Andreas Schalhorn, Kurator am Kupferstichkabinett Berlin
Prof. Stefan Koppelkamm, Vorstandsvorsitzender der Mart Stam Gesellschaft
Dr. Angelika Richter, Rektorin der weißensee kunsthochschule berlin

WANN?

Donnerstag, 03. November 2022

WO?

Weißensee Kunsthochschule Berlin
Bühringstraße 20
13086 Berlin

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