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Berlinische Galerie: Grünzeug – Pflanzen in der Fotografie der Gegenwart | 12.10.2023–22.01.2024

Editors’ Choice

Hohe Tannen, dichte Mangroven, bizarre Blütenstempel – die Pflanzenwelt bringt einzigartige Formen hervor. Eingebunden in komplexe und höchst sensible Ökosysteme sind Pflanzen auf vielfältige Weise mit der menschlichen Kultur verflochten. Ihre Betrachtung kann beruhigen, zum Nachdenken anregen oder starke Gefühle wie Beklemmung und Furcht auslösen. In der Fotografie sind Pflanzen seit Beginn des 19. Jahrhunderts beliebte Objekte fotografischer Verfahren und Experimente. Die Ausstellung „Grünzeug. Pflanzen in der Fotografie der Gegenwart“, die ab 12. Oktober 2023 in der Berlinische Galerie zu sehen ist, greift dieses facettenreiche Thema auf. Sie stellt zeitgenössische Arbeiten vorwiegend aus der Fotografischen Sammlung vor, die das oft ambivalente Verhältnis von Menschen und Pflanzen im Medium der Fotografie verhandeln.

Abb. oben: Folkwang-Auriga Verlag, Unbekannter Fotografin, Papaveraceae. Papaver somniferum, Gartenmohn, Samenkapsel, um 1930, © Rechtsnachfolge unbekannt, Repro: Anja Elisabeth Witte

Sechs künstlerische Positionen

Falk Haberkorn (1974, Berlin) spielt mit den Widersprüchen zwischen romantisierender Verehrung und dem von Umwelteinflüssen und ökonomischen Interessen bedrohten Wald. Seine Arbeitsweise beschreibt er als „visuelle Befragung“ des „vermeintlich Anschaulichen“. Die Rätselhaftigkeit des Bildes „Schonung“ löst Emotionen aus und weckt auch Erinnerungen an Märchen und Sagen westlicher Kulturen.

DEEDS NEWS - Berlinische Galerie - Falk Haberkorn - (c) VG Bild-Kunst Bonn 2023
Falk Haberkorn, Schonung #2, 2003/2004, © VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Mimi Cherono Ng’ok (1983, Nairobi, Kenia), schließt in ihre ausschnitthaften, auf Reispapier gedruckten Pflanzenbilder persönliche Empfindungen ein. Mit einem starken Bewusstsein für die Veränderlichkeit unserer Umgebung reist sie auch durch tropische Klimazonen. Sie fotografiert in der Dominkanischen Republik, an den Rändern urbaner Siedlungen sowie in Gärten und Parks von São Paolo oder Nairobi.

Ein feines Gespür für die Fragilität unserer globalisierten Lebenswelten besitzt Susanne Kriemann (1972, Erlangen). Für die Serie „Mngrv polymersday“ (2020) fotografierte sie in den indonesischen Mangroven auf Pulau Bintan – dort, wo sich infolge der Verschmutzung der Weltmeere zivilisatorischer Abfall im fragilen Ökosystem verheddert. Der unfreiwillige Verbund von synthetischem Unrat, wie zum Beispiel Fischernetze oder Plastiktüten, und Pflanzenwelt stellt die Künstlerin als Einheit dar.

Andrzej Steinbach (1983, Czarnkow, Polen) entwickelte auf Einladung der Berlinischen Galerie die zwanzigteilige Serie „Aschenbecher und Yogamatte“ (2023). Aus 132 historischen Aufnahmen von Pflanzen, Pilzen und Mineralien aus dem Bildarchiv des Folkwang-Auriga-Verlages (1928–1932) wählte er jene aus, die er bildnerisch interessant fand. Mit dieser Auswahl korrespondierend, erstellte der Künstler Fotografien von Verbrauchsgütern und Alltagsgegenständen. Natur und Kultur sind keine Gegensätze mehr, sondern miteinander verbunden. Damit lädt er ein, das vom Menschen Geschaffene und das natürlich Gewachsene als Zusammenspiel zu betrachten.

DEEDS NEWS - Berlinische Galerie - Folkwang-Auriga Verlag - (c) Rechtsnachfolge unbekannt - Repro - Anja Elisabeth Witte
Folkwang-Auriga Verlag, Fred Koch, Solanaceae. Atropa belladonna, Tollkirsche, Stengelverzweigung, undatiert, © Rechtsnachfolge unbekannt, Repro: Anja Elisabeth Witte

„Skulptur, Objekt oder pflanzliches Wesen?“, fragt Stefanie Seufert (1969, Göttingen) und reduziert den immergrünen Nadelbaum mit den Mitteln der Fotografie allein auf seine Form. Der in Vorgärten und Parks fotografierte Baum wird zum Gegenstand ihrer auf Mehrdeutigkeit und Vergleich zielenden Serie „01-1 – 1-10“ (2006–10). Ist die Reihe auch im Sinne dokumentarischer Typologien lesbar und weist das Einzelbild über sich selbst hinaus? Stefanie Seufert untersucht die Eigenschaften der Fotografie und setzt da an, wo sich Bilder einer Gattungszuordnung entziehen.

DEEDS NEWS - Berlinische Galerie - Stefanie Seufert - (c) Stefanie Seufert
Stefanie Seufert, 1 – 07, 2008 © Stefanie Seufert

Ingar Krauss (1965, Ost-Berlin) fotografiert im Schwarzwald, in Brandenburg und Norwegen. In seinen scheinbar harmonischen Bildkompositionen sucht er die Widersprüche zwischen menschlicher Überformung des Waldes und unbeherrschbarer Natur. Gestapelte Rundhölzer, an Bäume gelehnte Äste, verstreutes Totholz und gehäuftes Reisig sind Resultate einer sowohl gewinnorientierten als auch nachhaltigen Forstwirtschaft. Diese vielfältigen Ordnungen des Menschen kennzeichnen die Wälder in Europa.

Die Ausstellung ermuntert dazu, bei der Betrachtung der Pflanzenwelt persönliche Empfindungen einzubeziehen, das eigene ökologische Bewusstsein zu sensibilisieren sowie Natur und Kultur als Einheit wahrzunehmen.

WO?

Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

WANN?

Mo, Mi, Fr, Sa, So 10 – 18 Uhr
Do 10 – 20 Uhr
Di geschlossen

KOSTET?

Eintritt 15 €, ermäßigt 9 €

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