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Allora & Calzadilla: Stop, Repair, Prepare: Variations on “Ode to Joy” for a Prepared Piano | 30.09-30.10.2022

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Das Künstlerinnenduo Allora & Calzadilla zeigt die Arbeit „Stop, Repair, Prepare: Variationen über ,Ode an die Freude‘ für ein präpariertes Klavier“ vom 30. September bis 30. Oktober 2022 in der oberen Halle der Neuen Nationalgalerie. Die 30-minütige Aufführung findet achtmal täglich statt, jeweils zur vollen Stunde von 10 bis 18 Uhr. In einer Mischung aus Skulptur und Performance haben die Künstlerinnen ein Loch in die Mitte eines Bechstein-Klaviers aus dem frühen 20. Jahrhundert gemeißelt, so dass eine Lücke entsteht, in welcher dieder Interpretin steht und den vierten Satz von Beethovens Neunter Symphonie spielt, der gewöhnlich als „Ode an die Freude” bezeichnet wird. Während der Aufführung beugt sich eine Pianistin über die Klaviertastatur und spielt kopfüber und rückwärts, während sie*er das Instrument durch den Mies van der Rohe-Halle bewegt.

Abb. oben: Allora & Clazadilla Stop, Repair, Prepare: Variations On “Ode To Joy” For A Prepared Piano 2008 Präpariertes Bechstein Klavier, Pianist*in (hier: Amir Khosrowpour) Installationsansicht: Gladstone Gallery © Allora & Calzadilla Courtesy the artists and Gladstone Gallery Foto: David Regen

Während der einmonatigen Ausstellung werden die Werke von den folgenden Pianist*innen aufgeführt: Ben Cruchley, Eleni Mitrousia, Galina Ryzhikova, Ido Ramot, Marcin Wieczorek, Paolo Gorini, und Luca Leracitano.

DEEDS NEWS - Neue Nationalgalerie - Allora und Clazadilla - Stop Repair Prepare - 2
Allora & Calzadilla Stop, Repair, Prepare: Variations On “Ode To Joy” For A Prepared Piano 2008 Präpariertes Bechstein Klavier, Pianist*in (hier: Mia Elezovic) 101.5 x 165 x 215 cm Installationsansicht: Gladstone Gallery, New York, 2009 © Allora & Calzadilla Courtesy the artists and Gladstone Gallery Foto: David Regen

Klaus Biesenbach, Direktor Neue Nationalgalerie: „Die Arbeiten des in
Puerto Rico lebenden Künstlerinnenduos zeigen Interpretationen von Beethovens berühmter 9. Sinfonie, die seit ihrer Uraufführung vor zwei Jahrhunderten als Symbol der universellen Mitmenschlichkeit gilt. Allora und Calzadilla erforschen die innere Komplexität dieses musikalischen Meisterwerks. Indem sie die musikalische Struktur der Partitur genau betrachten, untersuchen die Künstlerinnen die Bedeutung der Marcia allá Turca, die als musikalische Folie für die Themen der freudigen einträchtigen Umarmung dient, für welche die „Ode” bekannt ist. So wie die musikalische Komposition in der Tat aus einem Konflikt heraus entstanden ist – den anhaltenden Konflikten zwischen dem Habsburger- und dem Heiligen Römischen Reich und dem Osmanischen Reich zur Zeit von Beethovens Schaffen -, so wurde der daraus resultierende musikalische Traktat auch in ideologischen Kontexten verwendet, die den Idealen, welches die Musik repräsentieren sollte, völlig widersprechen. Sie wurde von Diktatorinnen, Faschistinnen, Terroristinnen, Revolutionärinnen und Demonstrantinnen gleichermaßen geliebt und ist heute vielleicht am bekanntesten als die Hymne der Europäischen Union. In der gegenwärtigen Situation, in der sich Europa erneut im Konflikt befindet, scheint die Frage, wer in die universelle Umarmung einbezogen wird, dringender denn je. Allora & Calzadillas unvollständige, rückwärtsgewandte, invertierte Version der ‘Ode an die Freude’, dargeboten von einerm einzelnen Pianist*in die*der darum kämpft, dieses gewaltige Instrument in den Sälen der Neuen Nationalgalerie zu mobilisieren, einem Veranstaltungsort, der den nationalen Gedanken in seinem Namen trägt, enthüllt nicht nur die tiefen Widersprüche und Zweideutigkeiten in Beethovens berühmter Komposition, sondern auch das Projekt der Aufklärung selbst.”

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Allora & Calzadilla Stop, Repair, Prepare: Variations On “Ode To Joy” For A Prepared Piano 2008 Präpariertes Bechstein Klavier, Pianist*in (hier: Amir Khosrowpour) 101.5 x 165 x 215 cm Installationsansicht: Gladstone Gallery, New York, 2009 © Allora & Calzadilla Courtesy the artists and Gladstone Gallery Foto: David Regen

Skulpturales Objekt der Performance aus dem Jahr 2008 ist ein präpariertes Bechstein-Klavier aus dem frühen 20. Jahrhundert, in dessen Zentrum ein Loch gesägt wurde. Darin steht eine Pianistin und spielt den berühmten vierten Satz von Beethovens 9. Symphonie. Durch ihreseine Position im Innern des Flügels ist dieder Performerin gezwungen, den Fingersatz auf den Tasten sowohl kopfüber als auch rückwärts zu spielen. Zudem macht der Einschnitt in das Klavier zwei Oktaven unwirksam. Diese strukturell unvollständige Version der Ode erzeugt unterschiedliche Variationen sowohl der klanglichen als auch der körperlichen Dynamik zwischen Spielerin und Instrument. Gleichzeitig bewegt sich dieder Performerin durch den Raum und schiebt dabei den auf Rollen stehenden Flügel mit sich durch die Halle von Mies van der Rohe.

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Allora & Calzadilla Stop, Repair, Prepare: Variations On “Ode To Joy” For A Prepared Piano 2008 Präpariertes Bechstein Klavier, Pianist*in (hier: Mia Elezovic) 101.5 x 165 x 215 cm Installationsansicht: Gladstone Gallery, New York, 2009 © Allora & Calzadilla Courtesy the artists and Gladstone Gallery Foto: David Regen

Seit 1995 arbeiten Allora & Calzadilla auf experimentelle Weise in den
Bereichen Film, Installation, Performance und Skulptur, in denen sie sich mit Konzepten wie Autor*innenschaft, Nationalität, Grenzen und Demokratie in der zunehmend globalen und konsumorientierten Gesellschaft auseinandersetzen. Jennifer Allora (geb. 1974, Philadelphia, Pennsylvania, USA) studierte an der University of Richmond in Virginia (1996) und am Massachusetts Institute of Technology (2003); Guillermo Calzadilla (geb. 1971, Havanna, Kuba) studierte an der School of Fine Arts, San Juan, Puerto Rico (1996) und am Bard College, Annandale-on-Hudson, New York (2001). 2011 haben Allora & Calzadilla den US-amerikanischen Pavillon auf der 54. Venedig Biennale bespielt, wo sie einen Panzer ausstellten. Sie waren für den Hugo Boss Prize (2006) und den NamJune Paik Award (2006) nominiert. Die Performance “Stop, Repair, Prepare: Variations on “Ode to Joy” for a Prepared Piano, 2008” wurde von Klaus Biesenbach für die Sammlung des Museum of Modern Art New York akquiriert und im Hauptatrium des MoMA 2010/11 ausgestellt, der zu der Zeit das Performance-Department des Museums mitgründete.

WANN?
30. September – 30. Oktober 2022

WO?
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin

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