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Sonntag, September 24, 2023

Berlin Art Week 2023: UNBOUND: PERFORMANCE AS RUPTURE – Julia Stoschek Foundation | 14.09.2023-28.07.2024

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Die Julia Stoschek Foundation in Berlin präsentiert 35 Künstler*innen, deren Arbeiten aus den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart die Schnittstellen von Performance und Video untersuchen.

Abb. oben: Pipilotti Rist, (Entlastungen) Pipilottis Fehler, 1988, Video, 11′10″, Farbe, Ton. Videostill. Courtesy of the artist and Electronic Arts Intermix, New York

Die Gruppenausstellung „Unbound: Performance as Rupture“ widmet sich der Frage, wie sich Künstler*innen zu unterschiedlichen Zeiten mit dem Körper in Bezug auf die Kamera auseinandergesetzt und dabei Ideologien der Unterdrückung zurückgewiesen, historische Narrative durchbrochen oder Vorstellungen von Identität erschüttert haben. Die Ausstellung, die Arbeiten aus der Julia Stoschek Collection mit Leihgaben in Dialog bringt, zeichnet verschiedene Schnittstellen von Performance und Videokunst seit den 1960er-Jahren und bis in die Gegenwart nach und legt dabei ein besonderes Augenmerk auf Formen des Risses, des Bruchs und der Pause.

Im Gegensatz zu Peggy Phelans Definition von Performance als einer Live-Kunstform, die von ihrem sofortigen Verschwinden charakterisiert ist, stellt „Unbound“ die Verwendung der Kamera und des dazugehörigen Apparats zum Zweck der Aufnahme und als beeinflussendes Element der Performance selbst in den Mittelpunkt. Die gezeigten Künstler*innen hinterfragen mithilfe einer bewusst herbeigeführten Verschmelzung der Präsenz der Performance mit der Virtualität des Bildes ein grundlegendes Paradox – eine Repräsentationskluft, wenn man so will, die sich zwischen dem performenden Subjekt, dessen komplexe Identität nie voll dargestellt werden kann, und der Kamera als einem gewaltvollen Werkzeug auftut, das versucht, die Dargestellten einzufangen, einzuhegen und zu klassifizieren. Viele der präsentierten Arbeiten zeigen und verhandeln dabei einen von der Kamera fortgeschriebenen kolonialen Blick und setzen zugleich doch auf genau jene zeitbasierte Technologie, um Verbindungen über Raum und Zeit hinweg zu etablieren, die ohne sie unmöglich wären. Neben Performancedokumentationen und Performances für die Kamera beschäftigen sich jüngere Arbeiten in der Ausstellung mit zeitgenössischen Bildökonomien und richten den Blick unter anderem darauf, wie Körper sich durch physische und digitale Räume bewegen.

Mitte des 20. Jahrhunderts führte die aufkommende Performancekunst dank ihrer Verwischung der Grenzen von Kunstobjekt, Künstlerin und Aktion einen Bruch ins westliche Kunstverständnis ein. Die damit einhergehende Befreiung der Kunst durch den Körper (und umgekehrt) findet sich als gemeinsamer Antrieb hinter den unterschiedlichen Ansätzen der ausgestellten Werke. Etwa zur gleichen Zeit prägte die junge Videotechnologie einen entscheidenden Wandel in der Art und Weise, wie wir Bewegung aufzeichnen, bearbeiten, abspielen und präsentieren – ein Wandel, der die frühen Video-Experimente mit unserer heutigen Nutzung in sozialen Medien und darüber hinaus verbindet. Unter Berücksichtigung der entsprechenden Geschichten entwickelt sich ein Dialog zwischen historischen Arbeiten von Eleanor Antin, Peter Campus, VALIE EXPORT, Sanja Iveković, Ulysses Jenkins, Joan Jonas, Lutz Mommartz, Senga Nengudi, Howardena Pindell, Pope.L und Katharina Sieverding und Werken einer jüngeren Generation von Künstlerinnen, darunter Panteha Abareshi, Ufuoma Essi, Shuruq Harb, Tarek Lakhrissi, mandla & Graham ClaytonChance, Lydia Ourahmane, Sondra Perry, Akeem Smith und P.Staff.

Zu Unbound: Performance as Rupture erscheint eine Publikation mit einer allgemeinen Einführung sowie Kurztexten, in denen die einzelnen Kunstwerke in Beziehung zu den Themen der Ausstellung gesetzt werden (bei Besuch der Ausstellung kostenlos). Darüber hinaus werden ein öffentliches Gesprächs- und Screening-Programm sowie ein Podcast die Ideen der Ausstellung weiter beleuchten und ergänzen.

Kuratorin: Lisa Long, Assistenzkuratorin: Line Ajan

Künstler*innen: Panteha Abareshi, Eleanor Antin, Salim Bayri, Nao Bustamante, Matt Calderwood, Peter Campus, Patty Chang, Julien Creuzet, Vaginal Davis, Ufuoma Essi, VALIE EXPORT, Cao Guimarães, Shuruq Harb, Sanja Iveković, Ulysses Jenkins, Joan Jonas, Stanya Kahn, Tarek Lakhrissi, Klara Lidén, mandla & Graham Clayton-Chance, Lutz Mommartz, Senga Nengudi, Mame-Diarra Niang, Lydia Ourahmane, Christelle Oyiri, P.Staff, Manfred Pernice, Sondra Perry, Howardena Pindell, Pope.L, Pipilotti Rist, Katharina Sieverding, Akeem Smith, Gwenn Thomas

WO?

Julia Stoschek Foundation
Leipziger Strasse 60
10117 Berlin

WANN?

Eröffnung: Mittwoch, 13. September, 18 – 22 Uhr
Ausstellungsdauer: 14. September 2023 – 28. Juli 2024
Samstag und Sonntag, 12 – 18 Uhr

Sonderöffnungszeiten zur Berlin Art Week:
13. September, 6–22 Uhr, 14.–17. September, 12–18 Uhr

Deutschsprachige Führung: Sonntag, 15 Uhr
Englischsprachige Führung: Samstag, 15 Uhr

KOSTET? Eintritt 5 Euro. Anmeldung unter www.jsfoundation.art

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